Pfarrkirche
Die Kirchenglocken
Auf diesem Platz befinden sich gleich zwei Stationen unserer Schnitzeljagd. Lili ist im Speziellen immer wieder vom Klang der Kirchenglocken begeistert. Wie ihr sicher bereits aus dem Büchlein zur Schnitzeljagd wisst, gibt es nurmehr eine Glocke, die die Jahrhunderte überdauern durfte. Das Zügenglöcklein aus dem Jahre 1535. Genaueres ist noch von einer großen Glocke aus dem Jahre 1792 bekannt, die jedoch wegen ihres unschönen Klanges 1852 neu gegossen und 1854 der Hl. Anna geweiht wurde. Diese Glocke wog 600kg. Eine weitere, kleine Glocke, dem Hl. Florian und Donatus geweiht, ergänzte mit ihren 368kg das Geläut. Leider überdauerten auch sie die Kriege nicht, denn sowohl im Ersten- wie auch im Zweiten Weltkrieg wurden alle Metalle für die Kriegsindustrie beschlagnahmt. In der Zwischenkriegszeit wurden wiederum 2 neue Glocken angeschafft, die 1942 wieder der Kriegsmaschinerie zum Opfer fielen. Diesmal wurde auch das kleine Zügenglöcklein mitgenommen. Dieses überstand jedoch unbeschadet den Zweiten Weltkrieg und konnte von einem Glockenfriedhof in Wien nach Hornstein zurückgeführt werden. Ein großer Tag für Hornstein und die kleine Glocke.
Wusstet ihr, dass Glocken musikalisch zur Gattung der Aufschlagidiophone gehören. Idiophone sind Selbsttöner, die als Ganzes schwingend einen Klang erzeugen. Sie haben weder Membranen noch Saiten, die zur Klangerzeugung dienen. Die Glockengießerkunst in Europa ist eine über 1000 Jahre alte Tradition. In der Regel werden Glocken aus Bronze gegossen, einer Legierung aus Zinn und Kupfer, da sich dieses Material über die Jahrhunderte als klangbestes und haltbarstes erwies. Da staunt ihr, oder?
Die Form einer Glocke wird durch die Hälfte des Querschnitts, der sogenannten Rippe beschrieben.
Die Tonhöhe einer Glocke wird durch den Schlagton (Nominal) bestimmt. Allerdings ist dieser Schlagton normalerweise nicht im Frequenzspektrum der Glocke vorhanden, sondern ergibt sich beim Anschlag der Glocke über das Residuumhören, indem aus den Obertönen der zugehörige Grundton abgeleitet wird. So, jetzt hab ich aber genau geplaudert…
Nun fällt mir doch noch etwas ein. Das wohl berühmteste Lied über eine Glocke stamm von Friedrich Schiller aus dem Jahre 1799.
„Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch, Gesellen! seyd zur Hand.
Von der Stirne heiß
Rinnen muss der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben!
Doch der Segen kommt von oben…”
Das Geläut der Glocken begleitet uns ein Leben lang – deshalb haben Glocken auf den Menschen eine gar mystische Wirkung. Beginnend mit der Taufglocke, die Hochzeitsglocken, die Glocken der Feuerwehr und die Sturmglocken, die es früher gab. Schließlich und endlich die Totenglocken, die uns Menschen auf unserem letzten Weg begleiten.
Dr. Pestilenz
Der schwarze Tod
Welch’ unheilvolle Überschrift.
Wie ihr bereits aus dem Büchlein wisst, wurde Hornstein zweimal von der Pest heimgesucht. Natürlich war diese nicht die einzige Seuche, die damals wütete. Cholera und auch andere Infektionen machten sich mangels ärztlicher Versorgung breit und viele Menschen verstarben an diesen Seuchen.
Woher die Pest kam, wussten die Leute des Mittelalters jedoch nicht. Es machten sich viele Theorien breit. Heute würde man sagen, dass es viele Verschwörungstheoretiker gab. Manche meinten, es gab Pestwinde, andere wiederum führten es auf eine schlechte Sternenkonstellation zurück – Mars, Jupiter und Saturn oder das verseuchte Brunnenwasser, das man zur damaligen Zeit häufig finden konnte.
Wie es bei uns Menschen so üblich ist, waren allerdings auch bald irdische Schuldige gefunden. Abermals schob man die Schuld der jüdischen Bevölkerung zu und verfolgte diese unerbittlich. Auch spielte der Glaube in den Zeiten der Pest eine große Rolle, die Jungfrau Maria oder der Pestheilige Sebastian wurden hochverehrt und es wurden viele Wallfahrten zu heiligen Orten ausgerichtet.
Pestepidemien gab es schon vor dem Mittelalter z.B.: in Konstantinopel (Istanbul) bis die Pest dann, bekannt unter dem Namen der schwarze Tod, 1347 nach Europa kam und zwischen 20.000-50.000 Opfer forderte. Dies war zur damaligen Zeit annähernd die Hälfte der Bevölkerung Europas.
Auf medizinischer Seite konnten die Menschen der Pest wenig entgegenbringen. Aderlass und Brechmittel schwächten die Erkrankten damals noch mehr und trugen nicht zur Heilung, sondern zu rascherem Ableben bei.
Auch versuchte man mit Weihwasser, Entzünden duftender Kräuter etc. der Pest Herr zu werden – vergebens.
Nachdem hunderte-tausende Menschen gestorben waren, begann man Schiffsmannschaften 30 Tage auf entlegenen Inseln zu isolieren, um festzustellen, ob sie diese schreckliche Krankheit an Bord hatten. Wie das bekannte Lied besagt: Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord. In den Kesseln, da faulte das Wasser und täglich ging einer über Bord… Tralala… Selbst Hörnchen kennt dieses Lied, obwohl es erst 1934 geschrieben wurde… In Venedig erhöhte man die Anzahl der Tage auf 40, daher stammt auch das Wort Quarantäne – Quaranta ist Italienisch und heißt vierzig, cool, oder?
